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19.05.2020 | Falsches Marking oder Fehler die es eigentlich nicht geben dürfte

Ganz aktuell möchten wir mal aus dem Nähkästchen plaudern. Und damit gleich eine neue Rubrik etablieren in der wir Erfahrungen teilen, die man nicht an jeder Ecke findet. Heutiges Thema ein Fehler, den es eigentlich nicht geben dürfte. Aber machen Sie sich selbst ein Bild.

Vielleicht kennen Sie das ja auch, die Fehler, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Die schwer zu entdecken sind, weil man sie von vorne herein ausschließt.
Natürlich gibt es im Alltag eines EMS-Dienstleisters jede Menge Aha-Momente, dazu zählen eben auch die beschriebenen Fehler. In der Rubrik "Aus dem Nähkästchen" möchten wir zukünftig über diese Erkenntnisse berichten, damit andere vielleicht nicht so viel Zeit oder Nerven rein stecken müssen wie wir.

Unser aktuelles Beispiel dreht sich um ein falsches Marking (Beschriftung) auf einem Halbleiterbauteil (Diode).

Wie ist das Ganze überhaupt aufgefallen?

Wir pflegen im Wareneingang das Marking von Bauteilen kurz zu prüfen, wenn es sich ohne größeren Aufwand lesen lässt. Je nach Wertigkeit des Bauteils wird diese Information mit Bildern im ERP System gepflegt. Denn die Elektronik besteht eben nicht nur aus Hühnerfutter.
So fiel in diesem Fall auf, dass bei einer Zenerdiode das aufgedruckte Marking nicht korrekt war. Einfacher Fall, Zeit hatten wir noch genug, also Reklamation an den Distributor geschrieben. Einen Tag später die Ersatzlieferung, gleiches Marking. Das Etikett auf der Rolle wies eindeutig das richtige Bauteil aus. Vielleicht ein Fehler bei der Etikettierung seitens des Distributors?
Dasselbe Bauteil nochmal bei einem anderen Lieferanten bestellt, Herstellerartikelnummer (MPN) extra doppelt überprüft. Prompte Lieferung --> gleiches, falsches, Marking. Nun wurde langsam klar, dass hier etwas nicht stimmen konnte.

Wofür hat man eine Entwicklung im Haus: Eine Diode entnommen und nachmessen lassen. Und tatsächlich haben wir den richtigen Typ (13V, Marking steht für 5V) bekommen. Also nochmal das aktuelle Datenblatt vom Hersteller heruntergeladen, mehrfach gecheckt bis dann klar wurde: Der Hersteller hat die Diode tatsächlich einfach falsch markiert. Kein Hinweis irgendwo, kein geändertes Datenblatt, keine Errata.
Das hatten wir eigentlich komplett ausgeschlossen. Dem Azubi noch erklärt, dass die großen Packaging-Häuser über so ausgefeiltes Equipment verfügen, dass eine komplette Charge mit falschem Marking niemals unentdeckt auf dem Markt landen würde.
Wir wissen nicht wie das passieren konnte. Ein Schelm wer vermutet, dass die Maske eines Buchstabens einfach verdreht wurde (W wäre korrekt, M wurrde geliefert). Ob die Charge wissentlich auf den Markt gebracht wurde oder der Fehler wirklich nicht entdeckt, werden wir wohl nie erfahren.

Wie geht es weiter?

Wir werden das Bauteil natürlich verwenden. Wir werden einen Vermerk in den Fertigungsunterlagen eintragen. Ebenso am AOI, damit nicht das falsche Marking dauerhaft in der Schrifterkennung bleibt.
Außerdem werden wir den betroffenen Kunden informieren, damit das Thema nicht wie ein Bumerang zu uns zurückkommt. Ebenso geben wir die Information an Distributoren wie den Hersteller weiter. Ob das etwas bewirkt? Wir wissen es nicht, fänden es aber falsch das unter den Teppich zu kehren. Ich gebe zu wir sind neugierig auf die Reaktionen (oder auch nicht).
Warum nennen wir dann nicht den genauen Typ? Das ist eigentlich ganz einfach. Das Internet ist schnell und vergisst niemals. Vielleicht hatten wir einfach Pech, wir wollen Hersteller und Bauteil nicht dauerhaft mit diesem Problem verknüpfen. Das Titelbild des Beitrags ist übrigens nur exemplarisch.

Was wollen wir denn eigentlich erreichen?

Nun, wir wollen auf das Problem aufmerksam machen. Und generell dafür, dass man auch für unwahrscheinliche Lösungen offenbleibt.
Es ist auch nicht das erste Mal, das wir auf so etwas stoßen:

  • Pin1/Kathode/Anode Markierung abweichend zum Datenblatt (nachgemessen)
  • Marking auf dem Bauteil offiziell gar nicht vorhanden
  • Marking nirgendwo dokumentiert

Man arbeitet nicht solange in der Elektronik ohne solchen Problemen zu begegnen. In der aktuellen Form war das aber wirklich das erste Mal und wir haben dazu gelernt.
Es zeigt sich auch wieder, dass vorausschauende Qualitätssicherung sich lohnt, denn wäre die Diode tatsächlich falsch gewesen, wären ein paar sehr hochwertige Baugruppen beschädigt worden. In diesem Sinne stehen wir hinter unserem „Quality first“ Ansatz, auch wenn das mehr Aufwand bedeutet.

Ich hoffe Sie hatten etwas Spaß beim Lesen und wünsche allzeit korrektes Marking.